Methoden-und-Techniken Christina Bohnert

Methoden und Techniken der Systemischen Beratung

Zu den vielfältigen Methoden in der systemischen Therapie gehören verschiedene Gesprächs- und Fragetechniken, kreative Gestaltung wie z.B. Collagen, arbeiten mit Oh-Karten und aktive Aufstellungen mit Personen, Figuren oder Gegenständen, um Strukturen des Systems darzustellen.

Systemische Gesprächs- und Fragetechniken

Das Ziel der systemischen Gesprächs- und Fragetechnik ist, Informationen über das System zu erlangen und zu verdeutlichen, wie bestimmte Situationen und Erlebnisse von den Mitgliedern des Systems unterschiedlich wahrgenommen und bewertet werden. Hierbei können die Systemmitglieder angeregt werden, neue Lösungsansätze zu finden und umzusetzen.

 

Zirkuläres Fragen

Beim zirkulären Fragen werden Gedanken, Meinungen und Gefühle anderer Mitglieder im System erfragt, z.B.

  • Wie würde der Vater dieses Problem sehen
  • was sagt die Mutter, wenn sich die Kinder ständig streiten
  • wie würde die Schwester reagieren, wenn sie die Mutter ständig weinen sieht
  • wie fühlt sich der Bruder, wenn der Vater die Kinder anschreit
  • etc. …..

Das zirkuläre Fragen bewirkt, dass sich der Befragte in eine andere Person hineinversetzt und so einen anderen Blickwinkel zu bestimmten Situationen bekommt.

Fragen nach Ressourcen

Die Frage nach Ressourcen ist sinnvoll und erweitert den Blick auf neue Verhaltensweisen. Sie richtet den Fokus auf Lösungsmöglichkeiten, die erfolgreich und zielorientiert sind, da oftmals die Aufmerksamkeit allein auf das Problem gerichtet ist.

Skalierungsfragen

Skalierungsfragen zeigen einen Stellenwert von 0 – 10 an und geben Auskunft über die Gewichtung eines Problems. Außerdem können Fortschritte und Unterschiede festgestellt werden.

Wunderfragen

‚Angenommen – es geschieht über Nacht ein Wunder. Woran würden sie es merken und wie würde sich ihre Situation dadurch verändern?‘ Über diese Frage kann der Befragte Lösungsmöglichkeiten für sein Problem finden und erkennen, was er noch zur Klärung des Problems benötigt.

Hypothetische Fragen

‚Was wäre, wenn sie sich auf einmal nicht mehr über ihren Chef aufregen würden?‘, oder ‚Wie würden sie reagieren, wenn sie jemand um etwas bittet?‘ Hypothetische Fragen bieten die Möglichkeit, alte Verhaltensmuster zu überdenken und lösungsorientiert zu agieren.

Paradoxe Intervention

Paradoxe Intervention bedeutet, widersprüchlich zu handeln. Z.B. wird eine Person, die an Schlaflosigkeit leidet, zum Wachsein aufgefordert, oder eine Person, die an Depressionen leidet, dazu aufgefordert, jeden Nachmittag für eine Stunde depressiv zu sein – aber eben nur für diese eine Stunde. Durch diese Verhaltensaufgaben kann das erstarrte System wieder in Bewegung kommen und der Betroffene hat die Chance, alte Verhaltensmuster aufzulösen und den Alltag neu zu gestalten.

Reframing

Reframing bedeutet, dass eine neue Interpretation des Problems angeboten wird. Der Klient hat die Möglichkeit, das Problem von einer anderen Seite aus zu betrachten und umzudeuten, es ggf. sogar als Hilfe anzusehen, und mit dieser Erkenntnis z.B. eine Krankheit oder ein Symptom so verändert wird, dass er anschließend völlig gesund sein kann.

Geschichten

Jeder Mensch hat seine eigene Lebensgeschichte. Mit dem narrativen Ansatz ist es möglich, die Lebensgeschichte mit einem anderen Fokus oder neuen Umfeld zu belegen, so dass die Geschichte neu gestalten werden kann und die Schwere und das Belastende an Bedeutung verliert. Es geht nicht darum, Geschehenes zu verleugnen oder zu negieren, denn der Mensch wurde auch durch seine Lebensgeschichte geprägt, sondern darum, dass der Betroffene trotz allem Erlebten eine Leichtigkeit und neue Lebensqualität erlangt und mit Distanz die Vergangenheit betrachten kann.

Rituale

Mit Hilfe von Ritualen können Verhaltensmuster ‚irritiert‘ werden. D.h., wenn etwas zu viel Bedeutung beigemessen wird, kann eine Lockerung der Regel hilfreich sein und wenn etwas unterritualisiert ist, können feste Regeln der Alltagsabläufe Stabilität geben. Z.B. feste Essenszeiten, Schlafzeiten, etc.

Auch Übergangsrituale bieten die Möglichkeit, Probleme zur Lösung zu führen. Z.B. können rituelle Trennungen vom Problem symbolisch durchgeführt werden indem etwas verbrannt, vergraben oder versenkt wird. Anschließend erfolgt dann ein Begrüßungsritual. Hierzu verwendet man ein Symbol, das für eine Ressource steht, die bei der Problemlösung hilft oder schon für die Lösung steht. Dieses Symbol kann unterschiedlichste Formen haben wie z.B. aufgestellte Figuren, Bilder, etc. Dies kann insbesondere bei blockierten Entwicklungsphasen in der Kindheit und bei Prozessen von Trauer und Trennungsarbeit eingesetzt werden.

Genogramm

Ein Genogramm ist aufgebaut wie ein Stammbaum und ist sehr hilfreich, um die eigene Herkunftsgeschichte über Generationen hinaus darzustellen, Gewohnheiten und Traditionen, bestimmte Verhaltensmuster und Regeln im System aufzuzeigen, um die Familiengeschichte besser nachvollziehen zu können.

Soziogramm

Mit einem Soziogramm lassen sich soziale Beziehungen in einem System darstellen. Mit Verbindungslinien kann man grafisch darstellen, wie die Mitglieder zueinander in Beziehung stehen.

Systemische Aufstellung

Bei einer systemischen Aufstellung kann jedes System, das in einer Beziehung zueinander steht – Familie, Gruppen, Kollegen, Organisationen – sowie auch Ursachen und Gründe für Konflikte, Krankheiten, Symptome, Fragen zu bestimmten Lebensumständen – aufgestellt werden. Diese können mit Hilfe von Figuren, Gegenständen oder Bodenankern dargestellt werden oder in einer Gruppe mit Personen.

Diese Lösung kann der Aufstellende dann internalisieren und damit arbeiten, damit sich die Lösung manifestieren und die neu entdeckten eigenen Ressourcen positiv entwickelt werden können.

Abschlussintervention

Am Ende einer therapeutischen Sitzung wird eine Empfehlung oder ein Abschlusskommentar angeboten, d.h. eine kurze Zusammenfassung über die Stunde erstellt und dem Klienten verschiedene oben angeführte Möglichkeiten der systemischen Arbeit in Form einer ‚Hausaufgabe‘ mitgegeben. Mit dieser Aufgabe kann sich der Klient dann bis zum nächsten Termin befassen und experimentieren und dabei beobachten, wie sich Dynamiken und Verhaltensmuster in den wechselseitigen Beziehungen des Systems verändern und dadurch eine neue Lebensqualität erreicht werden kann.

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